Bienen hautnah erleben – Die Schaukästen in unserer Anlage


Wer durch unsere Kleingartenanlage spaziert, hört es überall summen und brummen. Bienen sind die heimlichen Heldinnen unserer Gärten. Sie fliegen von Blüte zu Blüte, sammeln Nektar und Pollen und sorgen durch ihre Bestäubungsarbeit dafür, dass Obst, Gemüse und viele andere Pflanzen überhaupt Früchte tragen. Ohne sie würden unsere Ernten deutlich bescheidener ausfallen.

Aus diesem Grund haben wir unseren fleißigen Helferinnen kleine Denkmäler gesetzt. Vielleicht sind euch in unserer Anlage bereits die unscheinbaren Kästen am Wegesrand aufgefallen. Was viele nicht wissen: Man kann sie öffnen und einen Blick in die Welt der Bienen werfen. Die Schaukästen sind im Grunde kleine Bienenstöcke, die speziell dafür eingerichtet wurden, uns und unseren Besuchern und Besucherinnen das Leben der Honigbienen anschaulich näherzubringen. Ein Kasten befindet sich in Anlage 1, ein weiterer in Anlage 2.



Am Schaukasten in Anlage 2 fällt sofort eine Zeichnung ins Auge, die wie ein kleiner Crashkurs die Anatomie der Biene erklärt. Die Darstellung hilft dabei, dieses erstaunliche Insekt besser kennenzulernen, bevor man die lebenden Tiere beobachtet. Schiebt man anschließend den kleinen Riegel zur Seite und öffnet die Holztür, eröffnet sich durch eine Glasscheibe der Blick in das geschäftige Herz eines Bienenvolkes. Auf den Waben krabbeln unzählige Bienen umher und kümmern sich um die vielfältigen Aufgaben des Stocks.



Damit man in diesem Gewimmel den Überblick behält, befindet sich auf der Innenseite der Tür eine weitere Erklärung. Dort werden die drei Bewohnergruppen eines Bienenstocks vorgestellt: die männliche Drohne mit ihrem etwas kräftigeren Körperbau, die unermüdliche Arbeiterin, die den Großteil des Volkes ausmacht, und natürlich die Königin, die sich durch ihren besonders langen Hinterleib erkennen lässt. So kann man versuchen, mithilfe dieses kleinen Spickzettels die Königin oder einige Drohnen im Volk zu entdecken. Theorie und Praxis greifen hier ineinander.

Auch der Schaukasten in Anlage 1 hält spannende Informationen bereit und gewährt einen tieferen Einblick in den Alltag der Bienen. Es gibt zum Beispiel eine Tabelle zur Farbe der sogenannten Pollenhöschen. Sie erklärt, warum die Pollensammlerinnen manchmal leuchtend gelbe, manchmal orangefarbene und gelegentlich sogar dunkle Pollenpakete an ihren Hinterbeinen tragen. Die Übersicht zeigt, welche Pflanzen zu welcher Jahreszeit welche Pollenfarbe liefern. So können erfahrene Imker allein anhand der Farbe erkennen, ob die Bienen gerade Löwenzahn, Kastanien oder Mohnblüten besuchen.

An anderer Stelle wird deutlich, welche unglaublichen Leistungen diese kleinen Insekten vollbringen. Für die Herstellung von nur einem Kilogramm Honig legen Bienen zusammen rund 120.000 Kilometer zurück – eine Strecke, die etwa drei Erdumrundungen entspricht. Gleichzeitig wird ihre enorme Bedeutung für unsere Ernährung verdeutlicht: Rund 71 von 100 wichtigen Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung durch Honigbienen angewiesen.



Ebenso faszinierend sind die Informationen über die Baumaterialien des Bienenstocks. Das Wachs für die Waben produzieren die Bienen selbst mithilfe spezieller Drüsen am Hinterleib. Darüber hinaus stellen sie aus Baumharzen das sogenannte Propolis her. Dieses dient nicht nur als natürlicher Klebstoff zum Abdichten des Stocks gegen Feinde und Zugluft, sondern wirkt zugleich wie eine Art natürliches Antibiotikum gegen Krankheitserreger.

Besonders spannend ist auch der Lebenslauf einer Arbeiterin. Eine Biene schlüpft nicht und beginnt sofort mit dem Sammeln von Nektar. Stattdessen übernimmt sie im Laufe ihres kurzen Lebens verschiedene Aufgaben. Erst gegen Ende ihrer Lebenszeit wird sie zur Sammelbiene und verlässt den Stock regelmäßig auf Nahrungssuche. Das zeigt, wie perfekt organisiert ein Bienenvolk funktioniert und wie eng alle Abläufe in der Natur miteinander verbunden sind.



Unsere Bienen leben natürlich nicht sich selbst überlassen, sondern werden von einem erfahrenen Imker betreut. Er kümmert sich regelmäßig um die Gesundheit der Völker und sorgt dafür, dass es den Bienen an nichts fehlt. Zu seinen Schützlingen gehören auch die großen Bienenstöcke in Anlage 2, die von Maja und Willi bewacht werden.



Mit etwas Glück kann man bei unserer Wally sogar ein Glas echten Honig direkt aus unserer Anlage erwerben. Gerade in Zeiten, in denen immer wieder Berichte über verfälschte oder stark verarbeitete Importhonige Schlagzeilen machen, ist das etwas ganz Besonderes. Viele industrielle Honige werden gestreckt, gemischt oder so stark verarbeitet, dass sie mit dem ursprünglichen Naturprodukt nur noch wenig gemeinsam haben. Bei unserem Honig hingegen wisst ihr genau, woher er stammt: Er entsteht aus dem Nektar der Blumen, Sträucher und Bäume, die wir täglich in unseren Gärten pflegen, gesammelt von Bienen, die wir direkt vor Ort beobachten können. Bitte seid nicht enttäuscht, wenn einmal keiner mehr verfügbar ist – das Angebot ist begrenzt.



Dieser Honig schmeckt nicht nur hervorragend, er trägt den Charakter unserer gesamten Anlage in sich. Deshalb sollten wir unsere kleinen Helferinnen weiterhin schützen: indem wir auf Gifte verzichten, bienenfreundliche Blumen pflanzen und ihnen ausreichend Lebensraum bieten. Denn ein Garten ohne Bienen ist wie ein Sommer ohne Sonne.